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iPhone 11 Test: Das beste Einsteiger-iPhone seit Jahren

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Groß, bunt und extrem erfolgreich: Das iPhone XR war im vergangenen Jahr der Überraschungs-Hit aus Cupertino. Und das trotz eines Namens, den bis heute niemand versteht (ernsthaft, wofür steht das R?). Es ist daher wenig verwunderlich, dass Apple mit dem iPhone 11 seine eigene Erfolgsformel kopiert: Viele Farben, großer Bildschirm, niedrigerer Preis. Während das diesjährige Spitzenmodell (lesen Sie hier den Test des iPhone 11 Pro) bei stolzen 1149 Euro startet, gibt es das iPhone 11 bereits ab 799 Euro. 

Das neue iPhone 11 im grünen Farbton.

Das neue iPhone 11 im grünen Farbton.

Knapp 800 Euro sind weit davon entfernt, ein Schnäppchen zu sein. Doch es sind 50 Euro weniger, als Apple im vergangenen Jahr für das XR verlangte. Das ist insofern bemerkenswert, weil die Preise sonst bei jeder neuen Generation nach oben kletterten. Aber auch in Cupertino spürt man mittlerweile die Konkurrenz auf dem Smartphone-Markt.

Ob sich das iPhone 11 für diesen Preis lohnt und wie professionelle Fotografen die neue Kamera einschätzen, verrät der ausführliche Test.

Links das iPhone 11 Pro mit drei Kameras, rechts die Standard-Variante.

Links das iPhone 11 Pro mit drei Kameras, rechts die Standard-Variante.

iPhone 11: Apple treibt’s bunt

Das iPhone 11 hat einen 6,1-Zoll-Bildschirm. Größentechnisch liegt es damit zwischen dem iPhone 11 Pro (5,8 Zoll) und iPhone 11 Pro Max (6,5 Zoll). Am grundlegenden Design hat sich nichts geändert: Wie üblich gibt es keinen Home-Button mehr, stattdessen befinden sich am oberen Rand des Displays eine breite Kerbe (die sogenannte Notch), in der sich neben der Selfie-Kamera allerlei Technik für die Gesichtsentsperrung befindet. 

Das Smartphone gibt es in sechs Farben: Schwarz, Weiß, Gelb, Rot – in diesem Jahr neu dabei sind Violett und Grün, welche die Farbtöne Koralle (ein leuchtendes Orange) und Blau ersetzen. Die Rückseite besteht aus einem glänzenden Glas, das Kamera-Viereck (dazu später mehr) ist vom Rest abgesetzt.

Der Rahmen zwischen Vorder- und Rückseite ist farblich auf die Rückseite abgestimmt und besteht im Gegensatz zu den Pro-Modellen nicht aus Edelstahl, sondern aus Aluminium. Das Gehäuse ist staub- und wasserdicht nach IP68-Standard. Bei einem unfreiwilligen Bad muss man also nicht gleich in Panik verfallen. Man sollte sein Telefon dann nur ausreichend lange trocknen, bevor es wieder an die Steckdose kommt.

Beim iPhone 11 setzt Apple nicht auf die aus den Premiummodellen bekannte OLED-Technik, sondern auf LCD, wie es auch im XR zum Einsatz kam. Ausleuchtung und Helligkeit sind gut, mit bloßem Auge sind keine einzelnen Bildpunkte auszumachen. Die Auflösung von 1792 x 828 Pixeln ergibt eine Pixeldichte von 326 ppi – damit ist es genauso scharf wie etwa das iPhone 8. Das Pro-Modell hat zwar eine höhere Auflösung, einen Unterschied erkennt man aber nur, wenn man beide Geräte dicht nebeneinander legt. Für den Alltag ist der Bildschirm des iPhone 11 mehr als ausreichend.

Der schnellste Chip

Angetrieben wird das iPhone 11 vom A13-Chip, der auch in den Pro-Varianten steckt. Das ist der derzeit schnellste Smartphone-Prozessor der Welt. Grafisch aufwendige Videospielen bringen ihn nicht aus der Fassung. Zudem ist man auf der sicheren Seite, was Updates betrifft: In den nächsten drei, eher vier Jahren erhält man alle notwendigen Updates, mit denen Apple in der Regel nicht nur Sicherheitslücken stopft, sondern auch neue Features nachliefert.

Der neue Prozessor ist nicht nur schneller, sondern auch stromsparender. Die Laufzeit des iPhone 11 ist auf dem Niveau des iPhone XR und liegt je nach Nutzung bei ein bis zwei Tagen. Damit ist das iPhone 11 eines der ausdauerndsten Apple-Telefone. Es lässt sich kabellos via Qi-Matte aufladen, diese muss aber extra erworben werden. Das beigelegte 5-Watt-Ladeteil lädt leider sehr langsam, das deutlich potentere 18-Watt-Ladegerät gibt es erst beim iPhone 11 Pro.

Mit der Kraft der zwei Linsen 

Für Apple ist die Kamera das mit Abstand wichtigste Feature der neuen iPhone-Generation. Dementsprechend auffällig setzt sie der Konzern in Szene: Die Linsen sind jeweils von einem auffälligen Metallring eingerahmt, gemeinsam mit Blitz und Mikrofon befinden sie sich in einem Viereck mit abgerundeten Ecken.

Ob einem das neue Design gefällt, ist wie immer Geschmackssache. Keineswegs aber ist es ein Ausdruck von Ideenlosigkeit, wie mancher Beobachter in den sozialen Netzwerken lästert. Vielmehr ist das charakteristische Design, das beim iPhone 11 Pro mit seinen drei Linsen noch mehr Blicke auf sich zieht, ein Statement. Statt die Kamera möglichst dezent zu gestalten, dominiert sie das Design der 2019er-Geräte. 

Mit dem Weitwinkel passt deutlich mehr Motiv aufs Bild.

Mit dem Weitwinkel passt deutlich mehr Motiv aufs Bild.

Im iPhone 11 sind zwei Linsen verbaut: Neben der Standard-Kamera befindet sich nun ein Ultraweitwinkel-Objektiv. Das wirkt auf den ersten Blick überraschend, war in den Doppelkameras der Vorjahre immer eine Tele-Linse mit optischem Zoom verbaut. Doch dieser Wechsel ist sinnvoll: Den optischen 2x-Zoom kann man ersetzen, indem man (wenn auch mit Verlusten) das Bild digital vergrößert. “Die Ultraweitwinkel-Linse eröffnet dagegen völlig neue Möglichkeiten – beim Fotografieren, vor allem aber bei Videos”, sagt der professionelle Fotograf Paul Ripke. Er war auf dem Rasen, als die deutsche Nationalelf im Sommer 2014 Fußballweltmeister wurde, später hielt er den Titelgewinn von Formel-1-Fahrer Nico Rossberg in Bildern fest. “Befinden sich die Motive in der Mitte des Bildes, erhält man einen abgefahrenen Look. Menschen wirken viel nahbarer.”

Praktisch: Knipst man mit der Standardkamera, wird das Interface der App halbtransparent ausgegraut, sodass man erkennt, welches Bild man alternativ mit der Ultraweitwinkellinse aufnehmen könnte. Wie das aussieht, sehen Sie hier: 

Das ist nicht die einzige Änderung der Kamera-Software. Ebenfalls an Bord sind neue Wischgesten: Hält man den Aufnahmebutton gedrückt und wischt nach rechts, startet eine Videoaufnahme. Ein Wisch nach links startet die Serienaufnahme.

Die Nacht wird zum Tag

Außerdem bietet das iPhone zum ersten Mal einen speziellen Nachtmodus. Dabei nimmt das Telefon in kurzem Abstand mehrere Bilder hintereinander auf, analysiert es diese und legt einige Teile davon übereinander, um mehr Details zu gewinnen und so das Bildrauschen zu minimieren. Neu ist diese Technik nicht, Android-Nutzer kennen solch eine Funktion bereits vom Google Pixel 3, Huawei P30 Pro oder dem Galaxy S10. Für iPhone-Nutzer ist er jedoch ein gewaltiger Sprung.

Beim iPhone ist dies kein spezieller Modus, der händisch aktiviert werden muss, stattdessen schaltet er sich in dunklen Szenerien automatisch ein. Ist der Modus aktiviert, erscheint eine Sekundenzeige, die darüber Informiert, wie lange das iPhone voraussichtlich für die Belichtung der Fotos benötigt. Je dunkler die Umgebung, desto länger muss das Telefon still gehalten werden. 

Einen Barkeeper in Aktion in einer schummrigen Bar zu fotografieren ist gar nicht so einfach. Hier zu sehen: Marian Gadzewski aus dem Le Lion in Hamburg.

Einen Barkeeper in Aktion in einer schummrigen Bar zu fotografieren ist gar nicht so einfach. Hier zu sehen: Marian Gadzewski aus dem Le Lion in Hamburg.

“Die Einfachheit finde ich klasse: Apple ist es gelungen, jede technische Hürde auszumerzen. Jetzt sind sogar Achtjährige in der Lage, ein gutes Nachtfoto zu schießen”, schwärmt Ripke. Aber auch Profis wie er können mit Stativ und Langzeitbelichtung mehr aus ihrem Smartphone herausholen. Auf einem mit der aktuellen iPhone-Generation geschossenen Foto inszeniert sich Ripke in einem hell erleuchteten Pool auf einer Terrasse, während über ihm der kalifornische Sternenhimmel zu sehen ist. “So ein Bild war zuvor nicht mit Bordmitteln möglich.” 

Bad unter dem kalifornischen Sternenhimmel: Paul Ripke schoss ein Selbstporträt der etwas anderen Art. 

Bad unter dem kalifornischen Sternenhimmel: Paul Ripke schoss ein Selbstporträt der etwas anderen Art. 

Beim neuen Nachtmodus überzeugen Helligkeit und Detailreichtum, welche durch die längere Belichtungszeit eingefangen werden. Den Unterschied zum Vorgänger sieht man auf den ersten Blick. Die Lichtstimmung ist jedoch eine andere: Je länger belichtet wird, desto heller das Bild. Mitunter werden dann sogar Details sichtbar, die das menschliche Auge in der Realität gar nicht erkennen kann. Viele Nutzer mögen diesen künstlerischen Look – noch besser wäre es aber gewesen, wenn man den Nachtmodus in den Einstellungen ein- und ausschalten könnte. Immerhin kann man ihn bei jeder Aufnahme bei Bedarf ausschalten oder sogar verstärken.

Die Frontkamera wurde ebenfalls verbessert: Hält man das Smartphone im Querformat, vergrößert sich der Bildausschnitt, sodass mehr Menschen auf das Selfie passen. 

Neue Möglichkeiten für Filmer

Auch bei Filmaufnahmen legt Apple nochmal eine Schippe drauf. Mit speziellen Apps kann das Telefon dank des schnellen Prozessors nun mit beiden Linsen gleichzeitig filmen – und das in 4K-Auflösung mit bis zu 60 Bildern pro Sekunde. So hat man sowohl eine Nah- als auch eine Weitwinkelaufnahme. Sogar die Frontkamera kann nun Filme in dieser Qualität aufnehmen. Das ist beim Huawei P30 Pro bislang nicht einmal mit der Hauptkamera möglich. Ebenfalls verbessert wurde das Mikrofon.

Schnelles Wifi und ein neuer Chip

Abseits der Kamera gibt es einige Verbesserungen im Detail: Das iPhone 11 kommt nun auch mit dem neuen Wlan-Standard Wifi 6 klar, mit dem passenden Mobilfunkvertrag kann man nun auch unterwegs mit Gigabit-LTE surfen. 5G, der ultraschnelle Standard der nächsten Generation, wird leider nicht unterstützt. Der Face-ID-Sensor entsperrt das Telefon nun schneller, die Lautsprecher sind etwas lauter.

Das Gehäuse soll ein noch bruchfesteres Glas besitzen und ein 30-minütiges Bad in zwei Meter Wassertiefe überstehen. Lassen Sie es dennoch nicht darauf ankommen, schließlich bezieht sich die Angabe in der Regel auf Süßwasser oder Getränke und weniger auf Seifenlaugen und Meerwasser. Ebenfalls neu ist der eingebaute U1-Chip, mit dem sich andere iPhones (und bald womöglich noch weitere Produkte) präziser orten lassen sollen als mit Bluetooth oder Wlan. Die Funktion wird aber erst Ende September freigeschaltet.

Fazit

Die Kombination aus bunten Farben, großem Bildschirm und schnellem Prozessor hat bereits im letzten Jahr funktioniert. Mit der besseren Kamera und einem etwas niedrigeren Preis macht Apple das iPhone 11 interessant für all jene, die bislang noch kein Smartphone im Design der X-Reihe besitzen.

Klar muss man einige Abstriche in Kauf nehmen: Das Display ist nicht so scharf und leuchtend wie bei den Top-Modellen, einen optischen Kamera-Zoom gibt es nicht, der Rahmen besteht nur aus Aluminium und das mitgelieferte Netzteil lädt deutlich langsamer. Doch diese Details dürfte den meisten Menschen keine 300 Euro wert sein. Denn die “wichtigen” Features – Ultraweitwinkel und Prozessor – sind identisch mit dem teureren Modell. Deshalb dürfte das iPhone 11 in diesem Jahr der Bestseller aus Cupertino werden.

Wer bereits ein iPhone X, XS oder XR besitzt, hat keinen Grund zu wechseln, außer man möchte unbedingt das neue Kamerasystem. Für Besitzer älterer Modelle lohnt sich der Umstieg allein wegen des großen Bildschirms und der besseren Kamera. Für das teurere iPhone 11 Pro und 11 Pro Max sprechen der kompaktere (beziehungsweise größere) Formfaktor, das bessere Display und die flexiblere Kamera. Wer auf die Weitwinkellinse verzichten kann, bekommt für rund 650 Euro das Vorjahresmodell iPhone XR.

Aktuelle Android-Alternativen in einer ähnlichen Preis-Liga sind das Huawei P 30 Pro (um 620 Euro), das Pixel 3 XL (um 600 Euro) und das Galaxy S10 Plus (um 700 Euro). 

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