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Marc-André ter Stegen: Beim FC Barcelona verehrt, in der Nationalelf zweite Wahl

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Kurz bevor er sich wegen der Krebserkrankung seiner Tochter aus der Öffentlichkeit zurückzog, sprach Luis Enrique in einem Interview auch über Marc-André ter Stegen.

Enrique, beim FC Barcelona einst ter Stegens Coach, fügte den Lobeshymnen über den deutschen Torwart eine besonders hübsche hinzu, nannte ihn “unglaublich plastisch”: “Seine Paraden wirken wie Kunstwerke.” Enrique hob aber auch ter Stegens Verhalten im Konkurrenzkampf mit Claudio Bravo hervor: “Er akzeptierte, dass er nicht die Hauptrolle hatte, und bestand so eine brutale Reifeprüfung.”

Deutsche Königsdisziplin Torwartstreit

Wenn nun offenbar die deutsche Königsdisziplin des Torwartstreits wieder aufgelegt wird, ist die Situation ja tatsächlich nur für einen Beteiligten neu. Trotz seiner 33 Jahre musste sich Neuer noch nie mit einem längeren Platzkampf aufhalten, in Schalke vollzog sich die Ablösung des alternden Frank Rost schnell, das Nationaltor fiel ihm durch eine Verletzung von René Adler zu, alles Übrige erledigten seine Leistungen.

Ter Stegen hingegen scheint verdammt zum ewigen Torwartduell. Schon um DFB-Juniorentage mit Bernd Leno ranken sich Legenden. Bei Bravo dekretierte Luis Enrique dann zwischen 2014 und 2016 eine Arbeitsteilung – der Chilene spielte Liga, der Deutsche den Rest -, die viele Spannungen ertragen musste. Nun also das Nationaltor.

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Marc-André ter Stegen:
Zwischen Barcelona und DFB-Bank

Gerade wegen seiner Reservistenerfahrung musste es ter Stegen wohl übel aufstoßen, vom wiedererstarkten Neuer als Gefährdung des Teamfriedens eingestuft zu werden, war er doch während der Schwächephase des Münchners immer loyal geblieben. “Unpassend” nannte er vor dem Champions-League-Spiel in Dortmund (21 Uhr, TV: Sky, SPIEGEL-Liveticker) den entsprechenden Kommentar. Was weiß Neuer schon?, hätte er auch fragen können.

Jobsharing mit Claudio Bravo

In Barcelona sprangen beim Jobsharing mit Bravo ein Triple und ein Double heraus. Zur Wahrheit gehört allerdings auch, dass es wohl keinen Tag länger gutgegangen wäre – nicht zuletzt von ter Stegen vor die Wahl gestellt, verkaufte Barça 2016 den fast zehn Jahre älteren Chilenen an Manchester City. “Für jemanden wie mich, der alles spielen will, war die Situation sehr kompliziert”, erinnerte sich ter Stegen später. Schon damals war seine Tragik dieselbe wie heute: Der andere machte es halt auch sehr gut.

Nun ist er in Barcelona die vierte Saison nacheinander unumstrittene Nummer Eins. Atemberaubend mit dem Fuß, bisweilen wundersam mit den Händen und mit einer Ausstrahlung, die sein Tor für gegnerische Stürmer klein erscheinen lässt. Ob sein Ersatzmann Jasper Cillessen hieß oder seit einem Torwarttausch mit Valencia nun Neto, ist nicht mehr als eine Fußnote: Selbst im debattierfreudigen Spanien würde niemand dem Zweitkeeper mehr zugestehen als die traditionellen Pokaleinsätze. Ter Stegen und Atléticos Jan Oblak gelten hier als momentan beste Torhüter überhaupt. Niemand käme auf die Idee, ter Stegen in einem Satz mit den Europa-League-Keepern Leno und Kevin Trapp zu nennen, wie es Neuer am Wochenende tat.

In Barcelona als Mensch gemocht

Barcelona ist ter Stegens sicherer Hafen. Keine Debatten, kein Bundestrainer, der bei der Variation der Aufstellung Reformeifer zeigt – nur eben nicht in der Torwartfrage. Kein Rivale, der qua Amt und historischer Verdienste ein anderes Standing und qua Spielort einen direkteren Mikrofonzugang hat.

Barcelona ist aber auch sein Platz in der Welt, er wird hier als Mensch gemocht. Weil er auch mal Metro fährt oder Roller, normal beim Bäcker einkauft, aus dem Fußballervorort Castelldefels ins Zentrum zog, weil er rekordschnell Spanisch lernte, inzwischen auch Katalanisch versteht und insgesamt den Eindruck erweckt, in eine Stadt gekommen zu sein und nicht nur in einen Fußballklub. Die Fans im Camp Nou besingen ter Stegen nach Lionel Messi und Luis Suárez am lautesten.

Denkwürdige Aktion gegen PSG

Als Torwart wird ter Stegen verehrt. Seit Jahren zählt er zur zentralen Achse mit Gerard Piqué in der Abwehr, Sergio Busquets im Mittelfeld, Messi und Suárez. Anfängliche Gelegenheitsfehler aus Übereifer sind beeindruckender Handlungssicherheit gewichen, und manche Aktionen sind bereits auf ewig im Gedankenlexikon der Fans verankert – etwa seine Balleroberung in der gegnerischen Hälfte, die im März 2017 beim Stand von 5:1 gegen Paris Saint-Germain nach 0:4 im Hinspiel einen letzten, allerletzten Angriff ermöglichte. Sergi Roberto traf zum 6:1 – Barcelona war weiter.

Doch auch Barcelona kann ihm nicht den DFB-Stammplatz verschaffen, der ihm selbst nach seinem exzellenten Confed-Cup 2017 vorbehalten blieb. In Spanien verstand man das oft nicht so recht, aber letztlich ist es natürlich nicht Spaniens Thema, dort sind alle erst mal froh, dass ihr eigener Nationaltrainer Robert Moreno den in der “selección” ewig flatterhaften David De Gea durch Kepa Arrizabalaga ersetzt hat.

In Barcelona wiederum haben sie Erfahrung mit hervorragenden Torhütern, die national nur zweite Wahl waren: Víctor Valdés, Keeper des großen Barça und seit Sommer als A-Jugendtrainer zurück, kam nie an Iker Casillas vorbei. Trotzdem bewunderten die beiden einander. “Rivalen auf der Position, Freunde im Leben”, wie es Casillas mal ausrückte. Bis dahin ist es für ter Stegen und Neuer noch ein weiter Weg.


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