Connect with us

Neuesten Nachrichten

“Save the Planet?” Helft euch selbst! | ZEIT ONLINE

Published

on

Es gibt T-Shirts, auf denen vor einer geplagten Erdkugel der Schriftzug “Save the Planet” prangt. Auf Demonstrationen wie Fridays for Future ist der Slogan zu hören: “Rettet die Pole! Raus aus der Kohle!” Und es gibt Zeichnungen, auf denen “Die Erde hat Fieber” steht, darüber der Globus als Gesicht: schwitzend mit einem Thermometer im Mund. Dabei ist nicht die Erde der Patient, sondern der Mensch. Wir sollten aufpassen, was wir sagen. Die Botschaften sind irreführend. 

Sie suggerieren nämlich, der Klimawandel wäre ein rein ökologisches Problem. Als ginge es einzig darum, die Natur und die Artenvielfalt zu schützen. Nein, längst bedroht der Klimawandel die Gesundheit von Millionen von Menschen. Medizinerinnen und Mediziner warnen, dass in absehbarer Zeit kaum etwas so viel menschliches Leid und so viele Todesfälle verursachen wird, wie die Folgen einer sich erwärmenden Erde. Wer den Klimawandel bremst, rettet also nicht allein Eisbären in der Arktis und Korallenriffe in Australien, sondern allem voran sich selbst, seine Kinder, seine Enkel.

Wie gewaltig der Klimawandel auf die Gesundheit einwirken könnte, zeigen diverse Berichte. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) verglich in Modellen eine Welt, in der das Klima so bleibt wie heute, mit einer, in der weiterhin moderate Mengen Kohlendioxid (CO2) ausgestoßen werden. Das Ergebnis: Zwischen 2030 und 2050 könnten jährlich schätzungsweise 250.000 Menschen an den direkten Folgen des Klimawandels sterben: an Hitze, Überschwemmungen oder Tropenkrankheiten, die sich weiter ausbreiten (WHO, 2014). Dazu könnten noch einmal doppelt so viele Todesfälle durch Mangelernährung kommen (Lancet: Springmann et al., 2016). Und sollte die Menschheit die Freisetzung der Treibhausgase gar nicht verringern, würden ganze Landstriche dieser Welt an manchen Tagen im Jahr zu heiß zum Überleben werden (PNAS: Sherwood & Huber, 2010): der Süden Indiens oder die Länder am Arabischen Golf beispielsweise (Science Advances: Im et al., 2017 & Nature Climate Change: Pal & Eltahir, 2015). Andere Länder, die besonders tief liegen und große Küstengebiete haben, würden ständig überflutet (PNAS: Hinkel et al., 2014).

“Wir wollen Menschen retten!”

Wörter und Sprachbilder formen, wie Menschen auf ein Problem blicken: ob sie sich betroffen fühlen und etwas ändern wollen. Wer den Klimawandel aufhalten will, sollte endlich sagen: “Wir wollen Menschen retten!” Denn jeder ist sich selbst, seinen Verwandten und Nachkommen näher als Schildkröten auf den Galapagos-Inseln oder Amphibien in den südafrikanischen Miombowäldern.

Nun existieren Mensch und Umwelt nicht neben-, sondern miteinander. Selbstverständlich hängen die menschliche Gesundheit und die von Ökosystemen zusammen. Die Frage aber ist: Mit welcher Botschaft lassen sich gesellschaftliche und politische Mehrheiten gewinnen? Indem man die Gefahr des Klimawandels für die Miombowälder betont oder indem man die Gefahr für den Menschen explizit macht?

Klimawandel – Was, wenn wir nichts tun?
Waldbrände, Eisschmelze, Unwetter: Der Mensch spürt die Erderwärmung. Wie sieht die Zukunft aus? Der Klimaforscher Stefan Rahmstorf erklärt unsere Welt mit 4 Grad mehr.

Aus genau diesem Grund ist die Save-the-Planet-Rhetorik so problematisch. Sie nährt die Vorstellung, dass hinter den Botschaften Naturschützer stecken, die Birkenstocks tragen, Zucchini auf ihrem Komposthaufen anbauen, Insektenhotels basteln und Bienen lieben. Menschen, die sich nicht trauen, die Mücke auf ihrem Arm totzuschlagen, und scharf bremsen, wenn am Straßenrand ein Krötenwanderungsschild auftaucht. Weltfremde, hypersensible und moralistische Gutmenschen eben.

Es ist nicht mehr als ein Stereotyp. Aber er sorgt dafür, dass viele Menschen die Klimawandelbewegung nicht ernst nehmen. Sie ziehen sie ins Lächerliche und lenken so von der Dringlichkeit des Problems ab. Die Gesundheitsfolgen des Klimawandels zu betonen dagegen, könnte noch mehr Bürgerinnen und Bürger motivieren, aktiv zu werden. Denn Menschenleben zu retten, ist keine rein grüne Forderung. Eigentlich müsste jede Partei sie unterstützen.

Continue Reading
Click to comment

Leave a Reply

Your email address will not be published. Required fields are marked *