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Gesundheit

Frauen empfänglicher für Bluthochdruck und höhere Blutfettwerte

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Weibliches Herz empfindlicher gegenüber kardiovaskulären Risikofaktoren

In einer neuen Studie wurde belegt, dass sich die typischen kardiovaskulären Risikofaktoren unterschiedlich auf die Herzfunktion auswirken können. Laut den Forschenden scheinen Frauen anfälliger für Bluthochdruck und erhöhte Blutfettwerte zu sein. Und obwohl das weibliche Herz empfindlicher gegenüber kardiovaskulären Risikofaktoren zu sein scheint, wiesen Frauen diese seltener auf.

Es ist schon länger bekannt, dass Frauenherzen anders schlagen. Über den spezifischen Einfluss kardiovaskulärer Risikofaktoren auf die Herzfunktion bei Männern und Frauen ist bislang aber wenig bekannt. Ein Forschungsteam am Deutschen Zentrum für Herzinsuffizienz Würzburg (DZHI), Universitätsklinikum Würzburg und dem Institut für Klinische Epidemiologie und Biometrie (IKE-B) um die Kardiologin Dr. Caroline Morbach hat nun belegt, dass sich die typischen kardiovaskulären Risikofaktoren unterschiedlich auf die Herzfunktion auswirken können.

Frau fasst sich mit ihren Händen an den schmerzenden Brustkorb
In einer Studie wurden Hinweise darauf gefunden, dass das weibliche Herz empfindlicher gegenüber kardiovaskulären Risikofaktoren zu sein scheint. (Bild: Adiano/fotolia.com)

Übergewicht am gefährlichsten für den Herzmuskel

Laut einer Mitteilung des Universitätsklinikums Würzburg scheinen Frauen beispielsweise anfälliger für Bluthochdruck und erhöhte Blutfettwerte zu sein. Übergewicht zeigte sich am gefährlichsten für den Herzmuskel, sowohl für den weiblichen als auch für den männlichen.

Zwar scheint das weibliche Herz empfindlicher gegenüber kardiovaskulären Risikofaktoren zu sein, Frauen wiesen diese aber seltener auf. Generell hatten aber überraschend viele Menschen im mittleren Alter mindestens einen kardiovaskulären Risikofaktor. Den Angaben zufolge basieren die Ergebnisse auf Untersuchungen an der STAAB-Kohortenstudie, einer repräsentativen Stichprobe der Einwohner der Stadt Würzburg.

Normwerte für die systolische und diastolische Verformung des Herzens

Wie in der Mitteilung erklärt wird, ist die Echokardiografie, auch als Herzecho bekannt, eine der wichtigsten Untersuchungen, um Veränderungen am Herzen zu erkennen. In dieser Ultraschalluntersuchung wird die Bewegung des Herzmuskels sichtbar. Das Verkürzungs- und Ausdehnungsprofil, das über strain (Maß der Längenveränderung) sowie strain rate (Geschwindigkeit der Längenveränderung) gemessen wird, liefert wichtige Informationen über die Pumpleistung des Herzens.

Das Erkennen „abnormaler“ Funktionen erfordert jedoch zunächst eine Definition von „normal“. Bislang gab es aber weder Referenzwerte für die diastolische strain rate noch ausreichende Erkenntnisse über die Auswirkungen von Alter und Geschlecht auf die Verformung des Herzmuskels.

Das Forschungsteam um die Kardiologin Dr. Caroline Morbach hat jetzt Normwerte für die systolische und diastolische Verformung des Herzens erstellt. Ferner haben die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler die Auswirkungen von Alter, Geschlecht und klassischen kardiovaskulären Risikofaktoren auf die Funktion des Herzmuskels untersucht. Die Ergebnisse wurden im Fachmagazin „The Public Library of Science ONE” (PLOS ONE) veröffentlicht.

Wie oft eine noch unentdeckte Herzschwäche auftritt

Für die Referenzwerte haben die Echo-Spezialisten die Werte von 1.818 Teilnehmern aus der STAAB-Kohortenstudie am DZHI. In dieser Studie wurden und werden insgesamt 5.000 Probanden aus Würzburg im Alter von 30 bis 79 und ohne bekannte Herzinsuffizienz innerhalb von circa drei Jahren zweimal untersucht. Ziel der STAAB-Studie ist es, herauszufinden, wie häufig eine noch unentdeckte Herzschwäche in der Bevölkerung auftritt und welche Faktoren die frühen Stadien A und B der Volkserkrankung auslösen. Die Subkohorte war im Schnitt 54 Jahre alt, 52 Prozent von ihnen war weiblich.

Wenig Menschen ohne kardiovaskuläre Risikofaktoren

Bei der Stichprobe für die Erstellung der Normwerte, haben sich die Forschenden auf die Probanden konzentriert, die keine bekannten Herzerkrankungen und keine kardiovaskulären Risikofaktoren hatten. „Überraschenderweise waren das sehr wenige“, sagte Caroline Morbach. „Von den 1818 Probanden waren lediglich 542 Personen augenscheinlich gesund, noch nicht einmal jeder dritte. Die anderen 1276 Personen hatten mindestens einen kardiovaskulären Risikofaktor.“

Zu den Risikofaktoren zählen Übergewicht (Adipositas = Body Mass Index von über 30kg/m2), Diabetes mellitus, Nikotinkonsum, Bluthochdruck (Hypertonie = Blutdruck höher als 140 / 90 mmHg oder eine blutdrucksenkende Therapie) sowie Fettstoffwechselstörungen (Dyslipidämie = LDL-Cholesterin-Wert von über 190 mg/dl oder fettsenkende Therapie).

„Allein diese Erkenntnis ist schon ein Alarmzeichen“, so Caroline Morbach. „Sehr viele Menschen haben vor allem schon in jüngeren Jahren mindestens einen kardiovaskulären Risikofaktor. Interessanterweise überwiegen in der gesunden Gruppe die Frauen. 58 Prozent der Probanden ohne Risikofaktoren waren Frauen und hatten ein Durchschnittsalter von 49 Jahren.“

Frauenherzen schlagen anders

In einem zweiten Schritt haben die Wissenschaftler den Einfluss kardiovaskulärer Risikofaktoren auf die Herzfunktion untersucht und dabei eine wichtige Entdeckung gemacht, die das weibliche Herz betrifft. Denn Frauen scheinen zunächst zwar gesünder zu sein, liegt aber ein kardiovaskulärer Risikofaktor vor, reagieren ihre Herzen vermutlich empfindlicher als Männerherzen.

„Unsere Ergebnisse lassen vermuten, dass der weibliche Herzmuskel anfälliger ist gegenüber hohem Blutdruck und erhöhten Blutfettwerten. Adipositas hatte einen geschlechtsunabhängigen und insgesamt den stärksten negativen Einfluss auf die Funktion des Herzmuskels“, erläuterte Caroline Morbach.

Gesünderer Lebensstil

„Diese Ergebnisse belegen einmal mehr, wie wichtig ein gesunder Lebensstil und Achtsamkeit im Alltag sind“, kommentierte Prof. Dr. Stefan Störk, Leiter der Klinischen Forschung und Epidemiologie im DZHI. „Versuchen Sie, Ihr Normalgewicht zu erreichen und zu halten, ernähren Sie sich gesund, meiden Sie Nikotin und dauerhaften Stress und lassen Sie regelmäßig Ihre Risikowerte wie Blutdruck, Blutzucker und Blutfette bei Ihrem Hausarzt kontrollieren.“ (ad)

Quellen:

  • Universitätsklinikum Würzburg: Die wenigsten Menschen leben herzgesund, (Abruf: 17.09.2019), Universitätsklinikum Würzburg
  • PLOS ONE: Speckle tracking derived reference values of myocardial deformation and impact of cardiovascular risk factors – Results from the population-based STAAB cohort study, (Abruf: 17.09.2019), PLOS ONE

Wichtiger Hinweis:
Dieser Artikel enthält nur allgemeine Hinweise und darf nicht zur Selbstdiagnose oder -behandlung verwendet werden. Er kann einen Arztbesuch nicht ersetzen.

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