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Mode

London Fashion Week: Femininität in neuem Licht

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Bei der London Fashion Week waren die einprägsamsten Designs keine radikalen Entwürfe von Jungdesignern oder ultralässige Streetwear. Sondern Tüllkleider, Spitzenblusen und aufgebauschte Röcke. Gezeigt haben diese Stoffberge Simone Rocha und Molly Goddard. Beide Designerinnen bedienen sich schon länger Materialien und Silhouetten, die eigentlich als feminin, mädchenhaft, verspielt gelten – brachen in dieser Saison aber so auffallend mit jeglichen Konnotationen, dass das Wort “niedlich” sicherlich nicht auf dem Moodboard klebte.

Selbstbewusstsein zum Anziehen bedeutete früher: bloß nicht zu viel Chichi. Stattdessen gerade Linien, kantige Schultern und alles, was ebenso gut in der Herrenabteilung hätte hängen können. Rocha und Goddard ließen das Beiwerk dran, aber interpretierten es neu: pechschwarze Volants, dunkle Denimblumen, stachelige Haarbänder. Die Entwürfe zeigten, dass Kleidungsstücke nicht mehr in Schubladen gesteckt werden müssen, nur weil ein Muster daraufgestickt ist oder Rüschen dranhängen.

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London Fashion Week:
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Entwürfe wie Cupcakes

Die Designs von Goddard würden in Anbetracht ihrer Größe ohnehin in kaum eine Schublade passen. Seit der Gründung ihres Labels 2014 experimentiert die britische Designerin mit Volumen und allem, was Kleider an Cupcakes erinnern lässt – Pastellfarben, Schleifen, Rüschen und Raffungen. Sie gilt als eines der größten Talente der britischen Hauptstadt, wurde erst vergangenes Jahr vom British Fashion Council mit einem bedeutenden Nachwuchspreis ausgezeichnet. Diese Saison sollte die Technik hinter den Charakteristika ihres Labels endlich perfektioniert werden, die Röcke von allein stehen, ohne Gerüst darunter. “Ich habe mich mit meiner Master-Kollektion auseinandergesetzt, die damals ein Desaster war, und die Ideen neu aufgelegt”, sagte sie der britischen “Vogue”.

Neu aufgelegt heißt auch: Um einiges dunkler gemacht. Statt Sorbetfarben trugen die Models viel schwarz, dazu dunklen Lippenstift, kräftig nachgezogene Augenbrauen und streng nach hinten gekämmte Haare. So schaffte es Goddard, Models mit Stoffschichten zu beladen, ohne die Kollektion überladen wirken zu lassen. Das ist durchaus beeindruckend, verwendet sie für ihre Entwürfe doch auch mal bis zu 90 Meter Tüll. Nicht nur diese Massen ließen ihr Kleider diesmal fast schon bedrohlich wirken.

Teeservice-Kleider und Heu-Haarreifen

Was für Goddard Tüll ist, ist für Rocha Spitze. Inspiriert war ihre Kollektion von den irischen Wrenboys, einer Tradition aus der Heimat von Mutter Odette. Die Irin kommt aus der Region Offaly, in ihrer Kindheit sah Rocha immer wieder Jungen, die am zweiten Weihnachtsfeiertag in Strohmasken und Strohgewändern von Tür zu Tür zogen und singend und tanzend um Spenden baten. Bei Rocha wurden daraus Schärpen und Überwürfe, dank der Beschaffenheit des Materials immer etwas zerfranst. Die Heukönigin als tollkühne Heldin.

Wie es hinter den Türen aussah, die die Wrenboys abklapperten, wollte Rocha ebenfalls zeigen. Transparente Kleider mit blauen Blumenmustern eröffneten die Show, angelehnt an den Porzellanstil Delfter Blau, der zu Hause im Schrank stand. Rochas Interpretation aber wirkte weit weniger zerbrechlich. Dafür muteten die Haarbänder mit ihren langen Stacheln zu sehr an wie Dornenkronen, die schwarzen voluminösen Spitzenkleider zu sehr wie Gothic-Gewänder und die Models zu eigenwillig. Bereits seit mehreren Saisons sieht man bei der Designerin Frauentypen, die aus dem etablierten Modelraster fallen, nicht sehr jung und sehr dünn sind. Dieses Mal liefen die irischen Schauspielerinnen Olwen Fouéré und Valene Kane. Die Teeservice-Kleider und Heu-Haarreifen trugen sie mit einer ähnlichen Lässigkeit, die früher breitschultrigen Anzügen und schwarzen Sonnenbrillen zuteilwurde.

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