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Geschäft

Geschäftsaufgabe in Grafing – Sepp sagt Servus – Ebersberg

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Nach drei Generationen schließt Josef Carpus seinen TV-Familienbetrieb in der Rotter Straße. Statt dessen wird in den Räumen eine Eisdiele eröffnen

Hach, die Wehmut. Natürlich. “Wer die bei so was nicht hat, hat was falsch gemacht.” So was, das bedeutet dieser Tage im Falle von Sepp Carpus: sein Geschäft an der Ecke von Mühlenstraße und Rotter Straße auszuräumen. Für ihn ist Schluss – doch Carpus, der für die CSU auch im Grafinger Stadtrat sitzt, hat für seine früheren Firmenräume etwas eingefädelt, was für das Quartier zwischen Kirchenplatz und Kellerstraße ein Glücksgriff werden könnte.

Dort, in der Rotter Straße 16, hatte zwischen den beiden Weltkriegen alles angefangen. Carpus’ Großvater öffnete sein Geschäft und schrieb über die Tür: “Musikalien von Josef Oswald”. Die Entscheidung für das Geschäftsfeld dürfte mithin eine sehr praktische gewesen sein – denn Opa Oswald war unter anderem als Kapellmeister tätig. Jedenfalls bewies der Senior mit alldem ein gutes Gespür. “Zu der Zeit war das der einzige Laden weit und breit, wo es solche Sachen wie Gitarren- oder Zithersaiten gegeben hat”, sagt Enkel Sepp.

Ein Bild aus dem Laden gehöre zu seinen ersten Kindheitserinnerungen, erzählt Carpus. “Wie der Opa mit verschränkten Armen den Buckel zum Aufwärmen an den Kachelofen mitten im Laden lehnt – und derweil mit der Kundschaft ratscht.” Auf eine ganz ungezwungene Weise sei der Musikalienladen eine Art Grafinger Informationsdrehscheibe gewesen. Was ist los im Ort? Wo drückt’s? Das konnte man hier erfahren.

So gesehen hat sich über die Jahrzehnte wenig geändert, auch Carpus’ uriger Art wegen. Vor ein paar Jahren nannte einer seiner CSU-Parteikollegen, Landtagsabgeordneter Thomas Huber, das Carpus-Geschäft deshalb das erste Grafinger CSU-Bürgerbüro, das praktisch das komplette Jahr geöffnet habe.

Freilich war es Carpus stets zuwider, seine Theke für Wahlkampfzwecke zu missbrauchen. Einen feinen Sensor für den Puls der Stadt hatte er aber allemal. Er sei sich sicher, sagt Carpus: Gegenseitiges Vertrauen sei in diesen Räumen immer der gemeinsame Nenner gewesen. “Ich hab der Kundschaft nichts aufgeschwatzt, was jemand nicht gebraucht hat – und ich hab’s in Form von Ehrlichkeit zurückbekommen.”

Den Übergang vom Musikalienladen zum Fernseh-Geschäft managte Carpus’ Vater. “Dass ich das Geschäft mal übernehme, das war irgendwie immer klar”, erzählt Carpus. Aber natürlich stand auch einiges an Interesse dahinter. “Als Jugendlicher an Radios und Fernsehern herumzuschrauben, das war schon eine Supersache.” Als Carpus im Jahr 1984 den Fernsehtechnikermeisterbrief in den Händen hielt, wurde aus dem Hobby und Nebenjob im Familienbetrieb der eigene Betrieb. Als 31-Jähriger gründete er im Jahr 1988 die Electronic Carpus GmbH und war fortan ihr Geschäftsführer. Aber nun, wo der 62-Jährige langsam die eigene Übergabe zu organisieren hätte, sind die Optionen rar geworden.

Carpus’ Kinder haben Lebenswege jenseits der Fernsehtechnik eingeschlagen. Ein ehemaliger Mitarbeiter, der die Übernahme des Ladens lange im Hinterkopf hatte, ging am Ende nach München.

Groll hegt Carpus nicht. “Die große Konkurrenz mit Großmärkten und dem Internet ist ein echtes Problem.” Bis zuletzt hätten regelmäßig Leute mit einem Fernseher in der Türe gestanden. “Online bestellen ist erst mal bequemer. Aber dann wollen sie sich vom Einzelhandel erklären lassen, wie er richtig einzustellen ist.” Dass darauf nicht jeder Lust habe, könne er verstehen.

Trotzdem geht es in der Rotter Straße 16 mit einer jungen Generation weiter. Alessandro Marsico entwickelte für das Eckhaus ein Eisdielenkonzept. In den nächsten Tagen wollen Carpus und er den Vertrag unterschreiben. Auf der anderen Seite der Mühlenstraße, drüben auf der Öxinger-Platz-Ostseite, werden übers Sommerhalbjahr einige Tische und Stühle aufgestellt. Mit der Stadt sei alles geklärt, auch dort freut man sich freilich über die Belebung des Platzes. “Dass da jetzt etwas Sinnvolles passiert, macht mir das Aufhören leichter.” Außerdem: Ganz weg sei er ja nicht. Die Servicewerkstatt nebenan läuft weiter. Ein langsamer Ausklang des Berufslebens, wenn man so will. Oder ein langer Abschied. Wie auch immer: “Das bin ich den Leuten, die mir bisher das Vertrauen geschenkt haben, doch schuldig.”

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