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Das sagen die Anwohner des neuen Tesla-Werks – B.Z. Berlin

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Noch ist da nur eine planierte Fläche von etwa 100 mal 100 Metern, die Arbeiter gerade herrichten. Hier, am Güter und Verteilerzentrum Freienbrink, soll es eine Zeremonie geben für den Hammer, den Tesla-Chef Elon Musk (48) beim „Goldenen Lenkrad“ von BILD ankündigte.

Eine Mega-Fabrik bei Grünheide (Mark), 8.600 Einwohner, eine Autostunde vom Berliner Alexanderplatz entfernt, direkt an der A10. 10.000 Arbeitsplätze für die strukturschwache Region. Die Fabrik des E-Auto-Pioniers für Europa. 300 Quadratmeter Fichtenwald gegenüber der planierten Fläche, bereits für eine Gewerbenutzung genehmigt, stehen für die Rodung bereit.

BMW verschmähte die Region

Noch sind einige Anwohner skeptisch. Schließlich wollte BMW vor 18 Jahren genau auf der Fläche ein Werk errichten. „Die gingen dann nach Sachsen, weil sie das Grundstück da geschenkt bekommen haben“, sagt einer.

Grünheides Bürgermeister-Assistentin Ariane Kaatz (39), deren Chef gerade für die große Verkündungs-Pressekonferenz nach Potsdam fuhr, glaubt an das Tesla-Wunder. Schließlich sollen schon Verträge unterschrieben worden sein. „Wir sind alle sehr glücklich, das ist sehr schön für die Gemeinde und auch für das Land Brandenburg. Es ist genau die Investition, die wir uns schon immer gewünscht haben“, sagt Kaatz.

Christian Lippke (38) betreibt im Wald vor Grünheide einen mobilen Suppen-Imbiss, seine alte NVA-Feldküche befeuert er mit Holz und kocht Linsensuppe mit Knacker (4 Euro). Das würde er auch für die Bauarbeiter und die dann erwarteten Tesla-Arbeiter machen, die zunächst Lithium-Ionen-Akkus für die E-Autos herstellen sollen.

Christian Lippke (38) will die Bauarbeiter des Werks verköstigen (Foto: Günther)
Christian Lippke (38) will die Bauarbeiter des Werks verköstigen (Foto: Günther)

„Ich würde dann einfach mehr kochen, da ist noch Potential“, sagt er und lacht. Er hofft auf Arbeitsplätze. Und eine gute Güterverkehr-Bahnanbindung sei aus DDR-Armee-Zeiten auch noch vorhanden.

Bäckereiverkäuferin Alicia (26): „Ich bin studierte Medieninformatikerin. Vielleicht gibt es im neuen Werk ja irgendwann auch einen Job für mich.“ (Foto: Günther)
Bäckereiverkäuferin Alicia (26): „Ich bin studierte Medieninformatikerin. Vielleicht gibt es im neuen Werk ja irgendwann auch einen Job für mich.“ (Foto: Günther)

Bald könnte das Städtchen boomen

Der ruhige Ort Grünheide am See ist ansonsten dafür bekannt, dass der DDR-Bürgerrechtler Robert Havemann hier von der Stasi mit Hausarrest bestraft wurde. Direkt am Wasser sind noch einige schöne Grundstücke frei, einige Häuser verfallen. Das wird sich sicher bald ändern, wenn die Fabrik tatsächlich gebaut wird. Dann müsste das schöne Städtchen, sechs Kilometer vom geplanten Mega-Werk entfernt, boomen.

Manche können sich noch nicht recht vorstellen, wie das alles gehen soll. „Es bringt Arbeit, aber auch viele andere Dinge“, sagt Friseurin Christin (43). „Es muss Wald abgeholzt werden und wo sollen die Arbeiter alle wohnen? Die Mieten sind schon jetzt hoch. Außerdem wird der Verkehr dann extrem, viele werden ja von außerhalb kommen.“

Friseurin Christin (43) befürchtet, dass die Mieten in ihrer Gemeinde bald rasant steigen könnten (Foto: Günther)
Friseurin Christin (43) befürchtet, dass die Mieten in ihrer Gemeinde bald rasant steigen könnten (Foto: Günther)

Eva Jäschke (71), die mit ihrer Schwester Maria Keller (63) die Hauptstraße entlang spaziert, empfindet Hoffnung. Ihre vier Kinder und andere jüngere Menschen in der Region müssten vielleicht nicht mehr nach Berlin zum Arbeiten. Und der Regionalzug würde öfter fahren. „Wohnungen und Hotels müssten halt gebaut werden“, sagt sie.

„Abwarten und Teetrinken“

Garten- und Landschaftsbauer Mike Urbschat (63) hatte in den letzten Tagen die planierte Fläche für die Tesla-Zeremonie hergerichtet. Er wohnt direkt am GVZ Freienbrink, wo der US-Auto-Riese angesiedelt werden soll. Nachdem er und seine Kollegen Gras und Gestrüpp entfernt hatten, kamen andere Firmen und schütteten Geröll auf. „Ich sage, abwarten und Teetrinken“, meint er. „Wobei für mich die Technologie nicht die beste, ist, Wasserstoff ist besser. Die Grünen sollen mal sehen, wo das Material für die Batterien herkommt.“

Garten- und Landschaftsbauer Mike Urbschat (63) hofft auf einen Aufschwung für die Region (Foto: Günther)
Garten- und Landschaftsbauer Mike Urbschat (63) hofft auf einen Aufschwung für die Region (Foto: Günther)

Klar ist: Sollte die „Giga Factory“ wirklich gebaut werden, wird die gesamte Region einen Aufschwung erleben. Und das freut auch ihn.

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